Die Zahl der Kulturpreise, welche alljährlich in Deutschland verliehen werden und zu denen auch jene gehören, mit denen Schauspieler, Sänger, Tänzer, Musiker, Komponisten, Regisseure, Autoren oder sonstige am Theater Schaffende ausgezeichnet werden, gehe in die Hunderte, bemerkte August Everding, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, in seiner Rede zur Erstverleihung des Dr. Otto Kasten Förderpreises im September 1985. Es gebe aber nur einen, für dessen Zueignung an junge Theaterkünstler ein so fachmännisches und fachkundiges Preisgericht zuständig sei wie es die im Bühnenverein versammelte Gemeinschaft deutscher Intendanten ist. Allein schon aus diesem Grunde, aber auch wegen seiner ansehnlichen Dotierung käme diesem, von Dr. Otto Kasten persönlich ins Leben gerufene Preis, eine herausragende Bedeutung zu.
Begründet hatte Dr. Kasten seine verdienstvolle Stiftung, deren Satzung vorschreibt, dass sie „selbstlos tätig sein und keinerlei eigenwirtschaftliche, sondern ausschließlich und unmittelbar mildtätige sowie gemeinnützige Zwecke verfolgen” solle, allerdings schon im Jahre 1962. Ursprünglich war sie nur dazu bestimmt, bedürftigen, notleidenden, kranken oder im Alter unterversorgten Theaterleitern und deren Angehörigen finanzielle Hilfe zu leisten, ein Akt kollegialer Nächstenliebe und Fürsorge, der zumindest in der Welt des Theaters vergeblich seinesgleichen sucht.
In der Anfangszeit der Stiftung kräftig in Anspruch genommen, wurde der Kreis unterstützungsbedürftiger Kollegen dank verbesserter öffentlicher Altersversorgung in den folgenden Jahrzehnten kleiner, so dass dem Stifter eine zusätzliche Verwendungsmöglichkeit der vorhandenen Mittel geboten schien. Mit ebenso spontaner wie freudiger Zustimmung griff Dr. Kasten den Vorschlag der Intendantengruppe auf, besagten Förderpreis für den künstlerischen Nachwuchs zu begründen.
Als Preisträger sollten junge Theaterschaffende aus allen künstlerischen Sparten des Theaterbetriebes in Betracht kommen, die nicht älter als 35 Jahre sind. Die Vorschläge sollten vom Vorstand der Intendantengruppe kommen, die Entscheidung vom Stiftungsvorstand gefällt werden. Die festliche Verleihung des Preises übernimmt stets der Vorsitzende der Intendantengruppe im Beisein des Präsidenten des Deutschen Bühenvereins, etlicher Intendanten, zumeist von jenen Theatern, an denen auch der Besucherring präsent ist, sowie von Vertretern der Kulturpolitik und der Medien.
Aus dem Plan einer wohltätigen Stiftung für notleidende Kollegen ist so mit der Zeit ein Forum für die Vergabe des – neben dem Iffland-Ring und dem Faust-Preis- wohl bedeutendsten Preises des deutschen Theaters geworden. Die Tatsache, dass der Name Otto Kasten mit diesem Preis unlösbar verbunden bleibt, verschafft uns die Gewähr, dass seine großen Verdienste für das Theater und seine Besucher unvergessen bleiben.