Sir John Falstaff ist in Geldnöten und sucht bei den reich verheirateten Damen Alice und Meg eine lukrative Liaison. Doch dummerweise kennen die beiden sich gut und zeigen einander die Liebesbriefe des Schürzenjägers. Sie beschließen, ihm eine Lektion zu erteilen. Das arrangierte Schein-Rendezvous mit Falstaff eskaliert, da Alices eifersüchtiger Ehemann Wind von der angeblichen Liaison bekommen hat. Nur mit knapper Not entrinnt Falstaff der brenzligen Situation. In seinem unverwüstlichen Selbstvertrauen lässt er sich jedoch erneut auf ein Stelldichein mit den reichen Gattinnen ein. Beim nächtlichen Verwirrspiel, an dem sich auch die eingeweihten Männer beteiligen, kommt es zu Missverständnissen – und es ist nun nicht mehr nur Falstaff, der genarrt wird.
Mit ‚Falstaff’ beendet ein Komponist, dessen Name für die dramatischsten Tragödien der Opernwelt steht, sein Lebenswerk überraschenderweise mit einer Komödie. Verdi greift auch diesmal auf eine Vorlage Shakespeares zurück, der den durchtriebenen Ritter sogar in zwei seiner Dramen verewigt hat: in ‚Die Lustigen Weiber von Windsor’ und ‚Heinrich IV.’ Eine beschwingte Sprachmelodik verdrängt die große dramatische Gesangslinie und zeichnet fein differenzierte Bühnencharaktere. Mit besonderer Liebe gestaltet der Komponist seine nur vordergründig lächerliche Hauptfigur: ,Die ganze Welt ist Komödie’ lautet das weise Schlusswort, mit dem sich nicht nur Falstaff, sondern auch der achtzigjährige Verdi augenzwinkernd von der Opernbühne verabschiedet.
Christian Spuck, fester Choreograf des Stuttgarter Balletts, ist dem Wiesbadener Publikum seit den Maifestspielen 2008 durch sein hochdramatisches Handlungsballett ‚Lulu’ in bester Erinnerung. Drei Jahre zuvor hatte der Träger des ‚Deutschen Tanzpreises ZUKUNFT’ erstmals eine Oper inszeniert: ‚Berenice’ am Theater Heidelberg. Im Sommer 2009 führt er an der Staatsoper Stuttgart Regie bei ‚Orpheus und Eurydike’ von Gluck. Er ist der dritte Choreograf – nach Maillot (Faust) und Pinto/Pollak (Armide) – den Intendant Manfred Beilharz zu einer Opernregie in Wiesbaden einlädt.
Copyright: Hessisches Staatstheater Wiesbaden
| Genre: | Oper |
| Regie: | Christian Spuck |
| Musikalische Leitung: | Marc Piollet |
| Bühne und Kostüme: | Emma Ryott |
Christian Spucks ‚Falstaff‘-Inszenierung in Wiesbaden gefeiert. Es handelt sich beim Falstaff, der in Wiesbaden über die Bretter stapft, um ein übergroßes Prachtexemplar seiner Zunft. Die Verführung kommt aus dem Timbre und aus der Kraft der eleganten Kantilenen, des bulgarischen Bassbaritons Kiril Manolov. (Christian Spucks) wirklich große, große Qualität ist die Personenführung ganz aus dem Geist der Musik heraus. Mit choreografischer Präzision wird Verdis Witz zu einem quicklebendigen Spiel singend beschwingter Körper im Raum – Generalmusikdirektor Marc Piollet bewahrt an der Spitze eines für die schwere Aufgabe bestens präparierten Staatsorchesters auch im turbulentesten Treiben der bis zur Schlussfuge hochkomplexen Partitur den Überblick. Fürs Gelingen der Premiere, die das Publikum enthusiastisch feierte, ist freilich auch der vitale Ensemble-Geist verantwortlich. Alle bewegen sich in einer höchst reizvollen, einheitlichen Ästhetik, (…) spektakulär gut umgesetzt. Wiesbadener Kurier, 26.01.2010
Bildkräftig setzt Christian Spuck die ‚commedia lirica‘ von Giuseppe Verdi am Hessischen Staatstheater Wiesbaden in Szene, das den designierten Ballettdirektor des Zürcher Opernhauses am Schluss geradezu enthusiastisch feiern wird. Der junge Mann lässt sich von dem komplexen Alterswerk des Komponisten nicht im Geringsten einschüchtern, sondern inszeniert seinen Ritter von der fülligen Gestalt mit leichter Hand, ohne darüber dessen Schlagschatten jemals aus dem Auge zu verlieren. Spuck ist sich Shakespeares so bewusst, dass er es nicht bei einer bloßen Typenkomödie belässt. Seine Menschen sind aus Fleisch und Blut (…). Stuttgarter Nachrichten, 26.01.2010
Christian Spuck hätte schon ein Narr sein müssen, den bulgarischen Bassbariton Kiril Manolov nicht ins Zentrum zu rücken. Sein heller Bassbariton wirkt spielerisch agil, als Liebesnöter versteht er zu flöten und zu säuseln, selbst in der Kopfstimme macht er eine gute Figur. Gute Figuren sind sie aber alle, die Beteiligten der Wiesbadener ‚Falstaff‘-Produktion. Spucks Regie hat echte Qualitäten: Sie ist schnell und präzise, liebevoll im Detail, sie kümmert sich um jede Rolle und sorgt dafür, dass man in der Generalpause nicht nichts hört, sondern das Publikum vergnügt kichern. Das groß besetzte Hausensemble überzeugte in allen Partien, ebenso die Leistung im Orchestergraben (…). Frankfurter Rundschau, 27.01.2010
Die Titelfigur ist eine Herausforderung für jeden guten Regisseur – dabei bewies Spuck souveräne Meisterschaft. Neben dem überragenden Manolov taten sich besonders Diane Pilcher in der wichtigen Rolle der Mrs. Quickley sowie Thomas de Vries als Ford hervor. Der Erfolg der Premiere wäre nicht ohne das spritzig musizierende Orchester mit seinem Chefdirigenten Marc Piollet denkbar gewesen, dem der Opernchor, Christof Hilmer sei Dank, um nichts nachstand. So summte mancher noch beim Verlassen des Hauses die eingängige Schlussfuge, deren kraftvolle Umsetzung das Premierenpublikum zu Beifallsstürmen hinriss. Frankfurter Neue Presse, 28.01.2010
Regisseur Christian Spuck und Ausstatterin Emma Ryott konzentrieren sich auf die Personen des heiteren Dramas, vom Premierenpublikum mit zuletzt selten erlebter Begeisterung aufgenommen. Mit seiner zugleich biegsamen und profunden Stimme durchlebt der wüst gescheitelte Sir Falstaff des jungen, aus Bulgarien stammenden Bass-Bariton Kiril Manolov die theatralischen Anfechtungen der Windsor-Damen, ohne die drei Akte zur bloßen Klamotte werden zu lassen. In musikalischer Hinsicht beeindruckt dieser ‚Falstaff‘ nicht zuletzt durch die Geschlossenheit des Ensembles. Op-online.de / DA-imNetz.de, 28.01.2010
Kiril Manolov, der sich in Wiesbaden erstmals als Falstaff vorstellt (…) scheint zielstrebig auf seine Rolle ‚hingearbeitet‘ zu haben. Gut bei Stimme, trotzt er darüber hinaus seiner Leibesfülle eine Lebendigkeit ab, die einen immer wieder verblüfft. Aber er ist nicht der Einzige, alle runden ihr Rollenprofil so resolut, als sei das Singen die selbstverständlichste Kommunikationsform der Kunst. Opernwelt, März 2010
Für diesen ‚Falstaff‘ würde man auch noch einige Kilometer mehr fahren, aber das ist gar nicht nötig. Am Staatstheater Wiesbaden zeigt Christian Spuck und lässt Wolfgang Ott hören, wie man Giuseppe Verdis Altersmeisterwerk frisch hält, ohne übermäßigen Aufwand zu treiben. Hier passt alles: Emma Ryott hat eine schlichte Bühne und eine sowohl pfiffige als auch klassische Kostümierung besorgt, die der lebhaften, zwanglosen, alles fabelhaft in Gang setzenden Personenführung Spucks auf das wunderbarste entspricht. Kiril Manolov singt, wie der Weltenschöpfer es ursprünglich für Baritone vorgesehen haben muss. Man sollte sich flugs ein paar schöne Karten sichern. Frankfurter Rundschau, 24.02.2010
Präzis, spritzig, humoristisch arrangiert und bildstark! Bei der Premiere blieb kein Wunsch offen. Wetzlar, Kassel, Dortmund, RNZ Heidelberg, Pforzheim und RMT-Magazin, 21.02.2010
In direkter Nähe befindet sich ein Parkhaus und eine Tiefgarage. Mit dem Bus erreichen Sie das Theater mit den Linien 1 und 8, Haltestelle „Kurhaus/Theater”.
Das Große Haus verfügt über mehrere Rollstuhlplätze im Parkett, einen Aufzug in die Ränge gibt es nicht.
1894 wurde das im neobarocken Stil erbaute Staatstheater Wiesbaden unter Anwesenheit Kaiser Wilhelm II. eröffnet. 1923 zerstörte ein Brand die Kuppel des Bühnenturms, 1942 beschädigte eine Bombe das Theater schwer. In den Jahren 1975-1978 wurde das Haus nach altem Vorbild restauriert, modernisiert und ein Anbau hinzugefügt. Wolfgang Lenz stellte den Zuschauerraum mit seinen Halbplastiken, Stukkaturen und dem prächtigen Deckengemälde originalgetreu wiederher. Heute umfasst das Große Haus 1041 Plätze, die verteilt sind auf die Bereiche Parkett/Orchestersessel sowie drei Ränge. Durch umfangreiche Baumaßnahmen in den letzten Jahren wurde der Zuschauerraum saniert und die Bühnentechnik so modernisiert, daß das Theater nun über hervorragende technische Möglichkeiten verfügt.
Das Hessische Staatstheater Wiesbaden ist ein Fünf Sparten Haus mit etwa 600 Beschäftigten. Mehr als zwanzig Neuinszenierungen in Oper, Schauspiel und Ballett bieten zusammen mit den vielfältigen Aufführungen des Repertoires in jeder Spielzeit ein großes kulturelles Angebot, das sowohl klassische Werke als auch modernes Musiktheater und Stücke der dramatischen Gegenwartsliteratur umfasst.