In einem kulturgeschichtlich denkwürdigen Moment verschmelzen abendländische und morgenländische Sehnsüchte nach Exotik hier und Adelung durch europäische Hochkultur dort zu einer fulminanten Uraufführung, die noch durch die Premiere an der Mailänder Scala übertroffen wurde und „Aidas“ Siegeslauf um die Welt vorbereitete. Seither gibt es wenige Operntitel, die populärer sind. Und das völlig zu Recht, birgt „Aida“ mit ihren musikalisch-szenischen Affekten und exotischen Klängen, der raffinierten Farbigkeit in der Instrumentation und dem effektvollen Wechsel zwischen Monumentalität und Intimität einen im besten Sinne musik-dramatischen Schatz. Allerdings haben die Auskopplung des Triumphmarsches und Inszenierungen, die den im Werk angelegten Hang zur Monumentalität noch mit pseudohistorischer ägyptischer Ausstattung zu übertrumpfen suchen, bisweilen vergessen lassen, dass diese Oper mehr ist als ein rührendes ägyptisches Märchen aus fernen Zeiten.
Im Gegenteil. Giuseppe Verdi spiegelt anhand der tragischen Liebe der äthiopischen Prinzessin Aida und des ägyptischen Heerführers Radamès, die zwischen persönlicher Verantwortung für die je eigene Nation und den Interessen von Staat, Kirche und Verwandten zerrieben wird, den krisenhaften Zustand des modernen Individuums. Und so stellt er auch für uns heute noch die Frage nach den prekären Machtverhältnissen zwischen Individuum und Gesellschaft – um sie mit einem höchst berührenden Plädoyer für die utopische Kraft der Liebe zu beantworten.
Premiere war am 31. Januar 2009
| Genre: | Oper |
| Regie: | Jens-Daniel Herzog |
| Musikalische Leitung: | Guido Johannes Rumstadt |
| Bühne und Kostüme: | Mathis Neidhardt |
| Ende nach ca.: | 3 Stunden |
| Mitwirkende: | Guido Jentjens (Der König), Jordanka Milkova (Amneris, seine Tochter), Mardi Byers (Aida, äthiopische Prinzessin), David Yim (Radames, Hauptmann der Wache), Nicolai Karnolsky (Ramphis, Oberhaupt der Priester), Mikolaj Zalasinski (Amonasro, König von Äthiopien und Vater von Aida), Jeong-Kyu Kim (Ein Bote), Maria Kostraki (Eine Tempelsängerin) |
”[…] Vor allem an der Titelfigur macht Herzog seine Sicht der Dinge fest. Die in Theben gefangen gehaltene ägyptische Königstochter ist in dem Augenblick, da sie in Liebe zu Radamäs entbrennt, auf einem unheilvollen Trip in die Hölle. Sie hat nur die Wahl zwischen Pest und Pest und so lässt Herzog Mardi Byers schon in der ersten Arie (sinnigerweise auf dem Strategie-Tisch der Militärs) ihre Hände mit Blut besudeln. Entweder sie bringt ihren Landsleuten Verderben oder den Geliebten in Gefahr. Sie wird von allen Seiten bedrängt und in die Enge getrieben — ganz wörtlich durch die „ägyptischen” Trompeten. […] Jordanka Milkova [Amneris] spielte ihre stimmlichen und körpersprachlichen Vorteile gegenüber der Rivalin voll aus und heimste am Ende für ihre drückvolle, aber nie überspannte Interpretation den meisten Beifall ein. […] Gutes lässt sich auch von den tiefen Männerpartien berichten. In Mikolaj Zalasinski (Amonasro) hat sich das Haus um einen wuchtigen Heldenbariton verstärkt, der sein voluminöses Organ auch differenziert führen kann. Oberpriester Ramphis (hier mehr der ideologische Anführer einer Militärdiktatur) wird von Nicolai Karnolsky ebenso präsent verkörpert wie die zeremonielle Gestalt des Königs durch Guido Jentjens. Maria Kostraki (Oberpriesterin), Jeong-Kyu Kim (Bote) sowie Chor und Extrachor rundeten mit klangschönem Einsatz die musikalische Seite vortrefflich ab.” Jens Voskamp, Nürnberger Nachrichten am 02.02.2009
Lesen Sie hier die vollständige Besprechung in den Nürnberger Nachrichten.
Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.
Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.