Es klingt fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht: Der edle Jüngling Belmonte zieht in die Fremde, um seine Geliebte Konstanze aus der Geiselhaft des türkischen Bassa Selim zu befreien. Mit Hilfe seines liebenswürdigen Begleiters Pedrillo gelingt es ihm, in die Höhle des Löwen vorzudringen, doch der Befreiungsplan scheitert. Stattdessen überrascht ihn der aufgeklärte Machthaber mit einem Gnadenakt, mittels dessen er dem Jüngling seine wahre Großherzigkeit demonstriert und ihm obendrein noch eine Lektion fürs Leben in Sachen Humanität und Selbstlosigkeit erteilt.
Gar nicht so selbstlos ist es allerdings, dass der verliebte Bassa seine schöne Gefangene zur Gegenliebe zwingen will für den Fall, dass sie sich ihm nicht freiwillig hingibt. Das eröffnet einen ernüchternden Blick auf die subtilen Methoden zwischenmenschlicher Machtausübung. Konstanze dagegen bleibt ihren eigenen Idealen und ihrer Liebe zu Belmonte bis zuletzt treu. Ihre Faszination geht von der ambivalenten Mischung aus todesverzweifeltem Aufruhr und fragwürdiger Schicksalsergebenheit aus, mit der sie die Annäherungen Selims erwidert.
Das kaiserliche Auftragswerk, 1782 in Wien uraufgeführt, spielt im Milieu der zahlreichen damals kursierenden Türkenstücke. Mozart bedient zeitgenössische Erwartungen an das türkische Lokalkolorit und bezieht Instrumente wie Becken, Trommel und Triangel in die Orchestersätze ein. Umfang und Anspruch der Komposition gehen weit über den üblichen Rahmen der zeitgenössischen Singspiele hinaus – entsprechend dem Plan Josephs II., mit dem „deutschen National-Theater“ eine anspruchsvolle Nationaloper zu etablieren.
Premiere war am 20. Dezember 2008.
| Genre: | Oper |
| Regie: | Andreas Baesler |
| Musikalische Leitung: | Christof Prick |
| Bühne: | Harald Thor |
| Kostüme: | Susanne Hubrich |
| Ende nach ca.: | 3 Stunden |
| Mitwirkende: | Heidi Elisabeth Meier (Konstanze), Leah Gordon/ Melanie Hirsch (Blonde), Tilman Lichdi (Belmonte), Jeff Martin (Pedrillo), Guido Jentjens (Osmin), Mehmet Yilmaz (Bassa Selim) |
”[…] beeindrucken konnte die kräftig beklatschte Neuinszenierung im ausverkauften Haus vor allem durch ihre musikalische Qualität. […] Dabei wird auf einem Niveau musiziert, das die Nürnberger Oper – zumindest im Mozart-Fach – gleich hinter das Münchner Nationaltheater auf Platz 2 im Freistaat katapultiert. Ob es Tilman Lichdis von der ersten Note an strahlend-schmelzender Tenor ist, dem auch die Pointierung des Textes musikrhethorisch vortrefflich gelingt. Ob es Heidi Elisabeth Meier mit sattelfestem, volumenreichen Sopran ist, die ganz unverkrampft mit ihren heiklen Koloraturläufen umgeht und eine Konstanze zwischen selbstbewusster Attitüde und empfindsamer Scheu zeigt. Ob es Guido Jentjens ist, der den raubeinig-naiven Charme Osmins mit jeder Menge geiferndem PrestoParlando garniert.Attraktiver Gang-BossSie alle liefern ebenso wie das Buffo-Pärchen Blonde (Melanie Hirsch) und Pedrillo (Jeff Martin) ausnehmend erstklassige Gesangskultur. Dazu kommt mit Mehmet Yilmaz ein Schauspieler, der aus Bassa Selim nicht nur einen balsamischen Sprücheklopfer macht, sondern einen attraktiven Gang-Boss abgibt, der am Ende das ewige Gesetz von Gewalt und Gegengewalt durchbricht.Christof Prick hat nicht nur mit den Sängern gefeilt, sondern motiviert auch das Orchester zu einem frischen, vorwärtsdrängenden, farbenreichen Mozart-Tonfall, der gerade in den obligaten Momenten große Gefühle entdeckt. So gehörten die Soli von Stefan Breit (Cello), Ralf-Jörn Köster (Oboe), Jörg Krämer (Flöte) und Stefan Skiba (Geige) neben den Janitscharen-Anklängen zu den emotionalen Höhepunkten.” Jens Voskamp, Nürnberger Nachrichten am 22.12.2008
Lesen Sie hier die vollständige Besprechung in den Nürnberger Nachrichten.
Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.
Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.