Der Besucherring

Nabucco

Dramma lirico in vier Akten von Giuseppe Verdi

Gabriella Morigi (Abigaille) und Statisterie. Fotografie Ludwig Olah.
Gabriella Morigi (Abigaille) und Statisterie. Fotografie Ludwig Olah.

Es ist ein Werk voller Dramatik, ein Werk, das den ganzen Verdi in sich enthält, ein wahrhaftiges Sturm und Drang-Drama, in dem sich das Talent des jungen Italieners zum kraftvollen, leidenschaftlichen Ton endgültig Bahn brach: „Nabucodonosor“ oder einfacher „Nabucco“. Uraufgeführt 1842 am Teatro alla Scala in Mailand, nahm von hier aus auch der Mythos des politischen Komponisten Verdi seinen Lauf – gleichsam auf den melodiösen Schwingen jenes sehnsuchtsvollen „Va pensiero sull’ali dorate“/„Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht“, das die geknechteten Hebräer weinend an den Ufern des Euphrat Richtung Heimat anstimmen. Nicht nur, dass die Italiener sich nicht scheuten, den in der Oper aufgezeigten politischen Konflikt zwischen den Babyloniern und den Hebräern auf ihre eigene Situation umzumünzen, die Oper selbst steckt voller Sprengstoff. Äußerlich noch ganz den Gliederungsstrukturen des italienischen Belcanto verhaftet, weist ihre Geschlossenheit bereits auf die spätere Entwicklung zum Musikdrama hin. Vor allem aber lädt Verdi hier seine grandiosen Melodien rhythmisch-orchestral derart mit Emotionen auf, dass die Arien und Cabaletten allenthalben vor Druck und Dynamik zu bersten scheinen oder aber so traurig sind, dass sie gleich zum Mitweinen einladen.

Wirklich zukunftsweisend ist an „Nabucco“ aber, dass hier neben den operntypisch etablierten Akteuren um Nabucco – seinen konkurrierenden Töchtern Abigaille und Fenena, dem Hohepriester Zaccharia und dem Königsneffen Ismaele – ein völlig neuer Handlungsträger auftaucht: das Volk. Hier erhebt es seine Stimme, hier wird es hör- und sichtbar als kollektives, leidendes und handelndes Subjekt der Geschichte. Und Verdi zeigt in berührender und deutlicher Weise, welche verheerenden Auswirkungen das unkontrollierte, ja sprichwörtlich verrückte Handeln der hemmungslos von Hybris, Eifersucht und Machtgier geleiteten Protagonisten auf ihre Umwelt hat. Da bleibt, zusammen mit den Hebräern, allein die Hoffnung auf göttliche Fügung.

Pemiere war am 29. Mai 2010.

Genre: Oper
Regie:Immo Karaman
Musikalische Leitung:Philipp Pointner
Choreographie:Fabian Posca, Timo Dentler, Okarina Peter
Ende nach ca.:2:20 Stunden
Mitwirkende:Mikolaj Zalasinski (Nabucco, König von Babylon), David Yim (Ismaele, Neffe des Königs Sedecia von Jerusalem), Nicolai Karnolsky (Zaccaria, Hohepriester der Hebräer), Gabriella Morigi (Abigaille, Sklavin, vermeintliche erstgeborene Tochter Nebukadnezars), Jordanka Milkova (Fenena, Tochter Nebukadnezars), Vladislav Solodyagin (Der Oberpriester des Baal), Kalle Kanttila (Abdallo, Diener des Königs von Babylon), Isabel Blechschmidt (Anna, Schwester des Zaccarias)

Kritik:

„Phillip Pointner leitet die hellwachen Philharmoniker souverän und betont die Schroffheiten der Partitur – mal mit lautem Blech, mal mit kammermusikalischen Momenten. Dem brillanten Chor, dem heimlichen Star dieser Oper, gelingt es selbst dem bis zum Überdruss gehörten Hit des Stückes noch innige Momente abzugewinnen. Das Liebespaar, Jordanka Milkova als Fenena und David Yim als Ismaele, macht stimmlich und darstellerisch eine gute Figur. […]

Die tiefen Männerstimmen sorgten für echte Höhepunkte. Bariton Mikolaj Zalasinski gibt einen sowohl kraftvoll herrschenden wie seine Tochter innig liebenden Babylonierkönig Nabucco. Und der donnernde Bass des Nicolai Karnolsky als hebräischer Hohepriester machte schon von Beginn an klar, dass sein Gott Jehova am Ende über den Götzen Baal siegen wird. “ Dirk Kruse, Bayerischer Rundfunk Bayern 4 Klassik am 31.05.2010

Lesen Sie hier die vollständige Besprechung in den Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung.

Termine und Tickets

Aufführungsort

Opernhaus Nürnberg
Richard-Wagner-Platz 2-10
90443 Nürnberg

Interaktive Karte

Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.

Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.

Wie Sie uns erreichen

Fränkischer Besucherring Nürnberg
Grasersgasse 25
90402 Nürnberg
Ansprechpartner: Alexander Stöcker, Jane Labuda
Telefon: 0911 22990 und 0911 241447
Fax: 0911 2419495
Post richten Sie bitte an:
Fränkischer Besucherring Nürnberg
Postfach 1239
90002 Nürnberg

Unsere Geschäftszeiten

Montag-Freitag:
9:00-16:00 Uhr

Besucherringe

Fenster schließen