Richard Wagners große romantische Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg” ist ein Werk des Aufruhrs, des Aufbegehrens und des Übergangs. Der Komponist, rebellisch und reformatorisch gesonnen, hat mit seinem „Tannhäuser”, der 1845 in Dresden seine Uraufführung erlebte, entscheidende Schritte hin zum Musikdrama unternommen. Musikalische Formauflösungen und Weiterentwicklungen stehen hier brüsk neben Überkommenem, klanglich Visionäres neben Altbekanntem. Und Wagner ließ dieses Werk zeit seines Lebens nicht mehr los. Er änderte und überarbeitete den „Tannhäuser” mehrfach – heute spricht man von der Dresdner und der Pariser Fassung – und äußerte noch in seinem Todesjahr 1883 gegenüber Cosima, er sei „der Welt noch den Tannhäuser” schuldig. Die Aufführung des „Tannhäuser” in Paris 1861 geriet zum wohl größten Theaterskandal des 19. Jahrhunderts. Die zu einem großen Bacchanal erweiterte Venusberg-Szene erhitzte die Gemüter derart, dass nach drei chaotisch verlaufenen Vorstellungen das Werk zurückgezogen wurde.
Den Komponisten kann dieser Skandal nicht überrascht haben, hat er ihn doch selbst komponiert: Nachdem der Minnesänger Tannhäuser im Reich der Liebesgöttin Venus der überbordenden Sinneslust und permanenten Lustbefriedigung überdrüssig geworden ist, sehnt er sich nach dem Reich der Menschen. Er kehrt zurück auf die Wartburg, wo Elisabeth, ihn still liebend, auf ihn wartet. Hier nimmt er an einem Sängerwettstreit teil, der; ausgerechnet; die Liebe zum Thema hat. Als ein Sänger nach dem anderen die Ideale der reinen Minne besingt, wird es Tannhäuser zu bunt und er verherrlicht in einem ekstatischen Gesang die sinnliche Liebeslust. In wildem Aufruhr will man ihm ans Leben. Elisabeth kann ihn zwar retten, aber dieser eklatante Bruch aller Konventionen ist nur durch eine Pilgerfahrt nach Rom zu büßen. Allein, der Papst lässt keine Gnade walten, Tannhäuser kehrt erschüttert zurück, begegnet Elisabeths Leichenzug und stirbt mit ihrem Namen auf den Lippen.
Premiere war am 17. Oktober 2009.
| Genre: | Oper |
| Regie: | Rosamund Gilmore |
| Musikalische Leitung: | Christof Prick |
| Bühne: | Carl Friedrich Oberle |
| Kostüme: | Nicola Reichert |
| Mitwirkende: | Guido Jentjens (Hermann, Landgraf von Thüringen), Richard Decker (Tannhäuser), Jochen Kupfer (Wolfram von Eschenbach), Martin Nyvall (Walther von der Vogelweide), Rainer Zaun (Biterolf), Christopher Lincoln (Heinrich der Schreiber), Vladislav Solodyagin (Reinmar von Zweter), Christiane Libor (Elisabeth, Nichte des Landgrafen), Alexandra Petersamer (Venus), Leah Gordon (Ein junger Hirt), Joanna Limanska/ Yuko Oba/ Angelika Straube/ Franziska Kern (Ein Edelknabe) |
„Eindrücklich arrangierte Bilder genügen Gilmore, vor möglichen Peinlichkeiten drückt sie sich geschickt. Erst im 3. Akt gibt es leibhaftig den Pilgerchor wie eine Barfußwallfahrt durch die Trümmer der Wartburg. In Carl FriedrichOberles eindrucksvoll sich wandelndem Bühnenbild mit dem Flügel als sinnfälligem Symbol läuft große Oper in flüssigem Parlando ab, nie heldentenoral verfettet. Auch das gehört zum musikalischen Konzept von Christof Prick. Der liefert mit diesem Tannhäuser eine glänzende, expressive Realisierung der schwierigen Pariser Fassung in Festspielformat ab. Das Philharmonische Orchester wächst über sich hinaus, besonders in den erst nach dem Tristan komponierten Pariser Passagen. Die drei Rollendebüts tun der Frische der Aufführung gut: Richard Decker ist ein hervorragend differenzierender Titelheld ohne heldentenorale Schwerfälligkeit, aber mit großen Reserven bis zur Romerzählung. Alexandra Petersamer als Venus hat üppige, balsamisch klingende Möglichkeiten. Mardi Byers ist eine Elisabeth der sparsamen Geste und eines innigen Pianos. Jochen Kupfer war der umjubelte Wolfram, Guido Jentjens ein Zustimmung gewohnter, pathosferner Manager des Sängerfests. Langer Jubel am Ende, eine geschmackvoll erzählte alte Geschichte mit neuem Ausgang und ein dank Prick kaum überbietbares Musikformat: Nürnberg im Wagnerglück.“ Uwe Mitsching, Bayerische Staatszeitung am 23.10.2009.
Lesen Sie hier die vollständige Besprechung in den Nürnberger Nachrichten und in der Nürnberger Zeitung.
Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.
Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.