„Wie ein pulsierender Herzschlag“ strömt die Musik von Mozarts „Don Giovanni“ von Anbeginn der Ouvertüre durch das gesamte Stück, so der eben erst in Venedig mit dem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnete Filmemacher und Theaterregisseur Werner Schroeter. Schroeter, einer der wichtigsten deutschen Filmregisseure der Nachkriegszeit und Vorreiter des experimentellen Erzählens, weigert sich strikt dagegen, als Künstler in eine Schublade gesteckt zu werden. Mittlerweile hat er über 70 Theaterstücke inszeniert, darunter zahlreiche Opern. Denn die Oper ist seine große Leidenschaft. Das sinnliche Moment der Musik eröffnet ihm dabei einen ganzen Kosmos an Assoziationen. Auf welches Stück dürfte diese Tatsache wohl mehr zutreffen als auf Mozart und da Pontes „Oper aller Opern“, wie E.T.A. Hoffmann den „Don Giovanni“ nannte. Hier verbindet sich das Sinnlich-Erotische mit dem Musikalischen und nimmt in der Figur des Giovanni Gestalt an. Er wird zu einem Sinnbild für strotzende Vitalität und absolute Selbstverwirklichung um jeden Preis. Nicht so sehr durch den Mord an Donna Annas Vater, dem Komtur, als vielmehr durch sein schrankenloses, Normen und Gesetze überschreitendes Handeln und sein selbstbewusstes, charismatisches Auftreten bringt er die bislang geltenden Wertsysteme seiner Umwelt ins Wanken. Die Kategorien von Spiel und Ernst, von Gut und Böse, von Schatten und Licht scheinen in Mozarts Dramma giocoso „Il dissoluto punito/Der bestrafte Wüstling“ außer Kraft gesetzt und neu zur Disposition gestellt. Vielleicht macht gerade das den besonderen Reiz dieser Oper aus. Der Libertin Giovanni lässt sich nicht mit Worten festlegen, lässt sich nicht in ein Schema pressen. Giovanni ist kaltblütiger Mörder und schillernder Verführer, dämonischer Wüstling und strahlende Lichtgestalt gleichermaßen und hinterlässt bei seinem aufrechten Abgang in die Hölle vielleicht gerade deshalb in der Persönlichkeit aller tiefe Spuren.
| Genre: | Oper |
| Regie: | Werner Schroeter |
| Dirigent: | Andreas Schüller/ Tobias Foskett (5.12.09, 3.04.10) |
| Bühne und Kostüme: | Alberte Barsacq |
| Ende nach ca.: | 3,00 Stunden |
| Mitwirkende: | Don Giovanni: Konstantin Gorny, Donna Anna: Karen Fergurson (15.11.09, 5.12.09), Viktorija Kaminskaite (3.04.10), Marika Schönberg; Don Ottavio: Norman Reinhardt, Komtur: Roman Astakhov / James Moellenhoff; Donna Elvira: Jean Broekhuizen / Kathrin Göring, Leporello: Tuomas Pursio, Zerlina: Soula Parassidis, Masetto Roman Astakhov/ Miklós Sebestyén, Chor der Oper Leipzig, Gewandhausorchester |
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