„In mir war ein ganz junger Mensch – gärte es. Jugend, Sehnsucht wollte sich Ausdruck verschaffen. Da besann ich mich zu rechter Zeit auf mich selbst. Auf das Drama des Werdenden; auf das Narrenspiel des Lebens mit unsicherem Ausgang. Und schrieb den ‚Fernen Klang‘, aus mir selbst heraus, aus meinem eigenen jungen Erleben.“ So beschreibt der österreichische Komponist Franz Schreker (1878-1934) die Entstehung seiner Oper über den jungen Komponisten Fritz, der seine Verlobte Grete verlässt, um sich auf die Suche nach dem „fernen Klang“ zu machen. Erst nach vielen Jahren der selbstzerstörerischen Suche erkennt Fritz, dass sich diese Idee nicht als abstraktes Kunstwerk umsetzen lässt, sondern einzig in der Nähe der Geliebten realisiert werden kann. Auch Grete, die in der Zwischenzeit ein ausschweifendes Leben führte, hat längst erkennen müssen, dass keine Lust der Welt ihre Sehnsucht nach Fritz stillen kann.
Spätromantisch geprägte Momente der Erfüllung und impressionistische Naturbilder von betörender klangsinnlicher Wirkung vereinen sich in diesem groß angelegten Werk mit freitonalen Passagen und Elementen der alltäglichen akustischen Realität zu einem rauschhaft-mitreißenden musikdramatischen Juwel des frühen 20. Jahrhunderts. „Der ferne Klang“ traf bei der Uraufführung 1912 in Frankfurt genau den Nerv des vom Lebensgefühl des Fin de Siècle geprägten Publikums. Der sensationelle Erfolg leitete Schrekers erfolgreiche Karriere als Opernkomponist ein. Dieser wurde jedoch 1932 durch heftige politische Angriffe der Nationalsozialisten ein jähes Ende gesetzt, im Zuge derer Schreker u. a. seine Stellung an der Berliner Hochschule für Musik verlor und seine Werke für Jahrzehnte in Vergessenheit gerieten.
Gabriele Rech, die bereits 2009 mit „Die tote Stadt“ vom Schreker-Zeitgenossen Erich Wolfgang Korngold einen großen Regie-Erfolg feierte, wird „Der ferne Klang“ 2011 erstmals nach 86 Jahren wieder auf die Bühne des Nürnberger Opernhauses bringen. Mit ihrer neuen Inszenierung setzt sie zugleich eine in der Spielzeit 2008/2009 begonnene Reihe an Musiktheaterproduktionen fort, welche sich den Werken von Komponisten widmet, die im Dritten Reich geächtet und verfolgt wurden.
Premiere am 30.04.2011.
| Genre: | Oper |
| Regie: | Gabriele Rech |
| Musikalische Leitung: | Philipp Pointner |
| Bühne: | Dirk Becker |
| Kostüme: | Gabriele Heimann |
Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.
Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.