Bei ihrer Uraufführung 1875 fiel sie durch, heute gehört sie zu den meistgespielten Opern weltweit: Der Faszination von „Carmen“ kann auf Dauer niemand widerstehen. Georges Bizets Oper gilt als musikdramatisches Schlüsselwerk des „Hispanismo“, einem Stil, der die französische Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts prägte – und das, obwohl Bizet selbst nie in seinem Leben spanischen Boden betreten hat. Die tragische Geschichte um die schöne und wilde Zigeunerin Carmen, die dem Sergeanten Don José derart den Kopf verdreht, dass er, blind vor Liebe, seine Verlobte Micaëla, seine bürgerliche Existenz und schließlich sein Leben in den Wind schlägt, ist von so vielen prägnanten und mitreißenden folkloristischen Rhythmen und Melodien geprägt, dass so mancher Nichtspanier bei dem Gedanken an spanische Musik sofort Carmens „Habañera“ und „Seguidilla“ oder Escamillos berühmtes Torero-Lied im Ohr hat. Als Auftragswerk der Pariser Opéra-comique entstand das Werk als Adaption von Prosper Mérimées gleichnamiger Novelle mit gesprochenen Dialogen und erfuhr seitdem mehrere Bearbeitungen, bis sich ab den 1950er Jahren wieder die rekonstruierte Ursprungsfassung durchsetzte.
Trotz ihres spanischen Lokalkolorits ist „Carmen“ eine durch und durch französische Oper und wird vom französischen Team um den Theater- und Opernregisseur Laurent Laffargue als Koproduktion mit der Bordelaiser Oper auf die Bühne des Nürnberger Staatstheaters gebracht. Für Laffargue, die Bühnenbildner Philippe Casaban und Eric Charbeau sowie den Kostümbildner Hervé Poeydomenge ist „Carmen“ nach „L’incoronazione di Poppea“ (Klagenfurt 2009) die zweite gemeinsame Operninszenierung im deutschsprachigen Raum.
Koproduktion mit der Opéra National de Bordeaux. Premiere am 02.04.2011.
| Genre: | Oper |
| Regie: | Laurent Laffargue |
| Musikalische Leitung: | Marc Tardue |
| Bühne: | Philippe Casaban, Eric Charbeau |
| Kostüme: | Hervé Poeydomenge |
| Ende nach ca.: | 3 Stunden |
| Mitwirkende: | Michael Putsch (Don José, Sergeant), David Yim (Don José – Sergeant), Bastiaan Everink/Melih Tepretmez (Escamillo – Stierfechter), Martin Nyvall/Christopher Lincoln (Remendado – Schmuggler), Richard Kindley (Dancairo – Schmuggler), Daeyoung Kim/Radu Cojocariu (Zuniga – Leutnant), Andrew Finden (Moralès – Sergeant), Anna Lapkovskaja/Jordanka Milkova/Rebecca Martin (Carmen – Zigeunermädchen), Hrachuhí Bassénz/Leah Gordon (Micaela – Bauernmädchen), Melanie Hirsch/Isabel Blechschmidt (Frasquita – Zigeunermädchen), Esen Demirci (Mercédès – Zigeunermädchen), Birgit Hofmann/Dunja Robotti (Lillas Pastia, Schenkwirt) |
„Der Dauererfolg von „Carmen” kommt nicht von ungefähr: Es ist einfach ein ungeheuer gut gestricktes Stück, dessen Konflikte logisch und zwingend sind, dessen Charaktere über das Typenhafte — gerade auch in der in Nürnberg gezeigten Dialogfassung — hinausgehen und das zeitlose Wirklichkeit transportiert. Letzteres haben die Ausstatter Philippe Casaban und Eric Charbeau mit ihren schlichten Schiebewänden und dem schmuckloses Grenzzaun-Areal umgesetzt. […]
Bis es so weit ist, verleiht Jordanka Milkova der Titelfigur ein erotisch aufgeheiztes, selbstbewusstes Profil, ohne in jeder Sekunde die femme fatale zu geben. Die drahtige Bulgarin zeigt mit ihrem erdigen, gehaltvollen Mezzo, weshalb die Namenswahl — Carmen bedeutet Lied — nicht ohne Grund erfolgte: Von der Eingangs-Habañera bis zum Schluss-Duett bedient sie viele vokale Farben und bleibt auch szenisch im Fokus, selbst wenn sie am Rande sitzt. Was ungewöhnlich ist: Micaëlas Sex-Appeal ist der Zigeunerin absolut ebenbürtig. Hrachuhí Bassénz konturiert hier keine naive Dorftrutsche vom Lande, sondern eine von starken Gefühlen getriebene Liebende. Ihre Arie „Je dis que rien ne m epouvante” im 3. Akt gehörte zu den stärksten Momenten des Abends.“ Jens Voskamp, Nürnberger Nachrichten am 04.04.2011
Lesen Sie hier die Besprechung in den Nürnberger Nachrichten.
Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.
Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.