„In dieser Oper gibt es drei Hauptrollen: Lady Macbeth, Macbeth – der Hexenchor.“ Anders ausgedrückt: Eine wahnsinnige Femme fatale, ein impotenter Königsmörder und eine ganze Bühne voller Hexen bilden die Zutaten, aus denen Giuseppe Verdi seine vielleicht ungewöhnlichste Oper zusammensetzte. Ungewöhnlich, weil hier ein junger Komponist in bisher unbekannter Radikalität, entgegen den Konventionen der Zeit, seinen musikalisch-szenischen Ausdruck suchte – und fand. „Poche parole, stile conciso / Wenige Worte, knapper Stil“, lautete die Forderung nach Klarheit und Schärfe des Librettos. Aber Verdi ging noch weiter. Über Lady Macbeth sagte er: „Ich will, dass die Lady hässlich ist, mit rauer, erstickter, hohler Stimme. Es darf absolut nicht gesungen werden.“
Erstaunlicherweise konnte Verdi mit diesem radikalen Ansatz bei der Uraufführung 1847 und auch 1865 in Paris beim Publikum Triumphe feiern – während die Presse noch mit dem Fehlen des klassischen Liebespaares haderte … Vielleicht lag der Erfolg auch darin begründet, dass Verdi unter dem Einfluss von Meyerbeers „Robert le Diable“ und Webers „Der Freischütz“ ein veritables romantisches Schauerdrama auf die Bühne gebracht hatte, das in seinem Spiel mit dem Übernatürlichen und dem Abgründigen der menschlichen Seele ganz und gar en vogue war.
Heute interessiert weniger der Einbruch des Numinosen in unsere Welt als vielmehr Verdis gleichermaßen großartiges wie erschreckendes Doppelporträt eines Paares, das in seinem Machtwillen unheilvoll miteinander verbunden ist und einer mörderischen Dynamik Tor und Tür öffnet, die alles Menschliche weit hinter sich lässt. Die musikalische Farbe, die „tinta musicale“, die Verdi dafür seiner Partitur zu geben wusste, ist in keiner seiner anderen Opern – nicht im „Rigoletto“, nicht im schmerzerfüllten „Simon Boccanegra“ – so nachtschwarz, so ausweglos finster wie in „Macbeth“. Entsprechend endet die Oper in völliger Zerstörung, politischem Terror und Wahnsinn. Macbeth hat, mit Shakespeares berühmten Worten, nicht nur den Schlaf gemordet, sondern auch die Zukunft. „Tutto è finito.“
Premiere am 05.03.2011.
| Genre: | Oper |
| Regie: | Georg Schmiedleitner |
| Musikalische Leitung: | Guido Johannes Rumstadt |
| Bühne: | Harald Thor |
| Kostüme: | Alfred Mayerhofer |
| Mitwirkende: | Mikolaj Zalasinski (Macbeth, Feldherr des Königs), Nicolai Karnolsky (Banquo, Feldherr des Königs), Lisa Houben (Lady Macbeth), You Mi Han (Kammerfrau der Lady Macbeth), David Yim (Macduff, schottischer Edler), Martin Nyvall (Malcolm), N.N. (Ein Arzt), Chor Staatstheater Nürnberg (Ein Diener Macbeths), Chor Staatstheater Nürnberg (Ein Mörder), Chor Staatstheater Nürnberg (Ein Herold) |
Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.
Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.