Rossinis letzte italienische Oper, mit der seine Karriere als künstlerischer Leiter des Pariser Théâtre-Italien begann, wurde am 19. Juni 1825 anlässlich der Feierlichkeiten zur Krönung Karls X. von Frankreich uraufgeführt. Entstanden ist keine übliche Krönungsoper, sondern eine im wahrsten Sinne des Wortes „verrückte“ Spiegelung und Schachtelung von fiktiver Geschichte und historischem Anlass sowie ein parodistisches Bild der europäischen Gesellschaft zur Zeit der Restauration. Zudem stellten Ballocos schrullige Charaktere für den Komponisten eine ideale Vorgabe dar, um sie den Stars des renommierten Pariser Théâtre-Italien gesanglich auf den Leib zu schneidern: Eine international zusammengesetzte Gruppe von Bonvivants – darunter eine berühmte römische Improvisationskünstlerin, eine modenärrische junge französische Gräfin, ein ungestümer russischer General und ein Antiquitäten sammelnder italienischer Gelehrter – vertreibt sich im Kurhotel „Zur Goldenen Lilie“ in Plombières die Zeit bis zu ihrer Abreise nach Reims, wo man den Krönungsfeierlichkeiten beiwohnen möchte. Jedoch: Diese Reise wird es niemals geben, denn es stellt sich heraus, dass in der ganzen Stadt keine Pferde verfügbar sind. So beschließt man nach anfänglicher Bestürzung, aus der Not eine Tugend zu machen und stattdessen die nächste Postkutsche nach Paris zu nehmen, um dort späteren Feierlichkeiten beizuwohnen. Den Vorabend will man allerdings noch nutzen, um die gemeinsame Reisekasse zu schlachten und ein illustres Fest zu veranstalten.
Rossinis an kompositorischen Finessen und parodistischen Stilzitaten überreiche Partitur ist wie geschaffen für das französisch-italienische Team um Laura Scozzi, das in Nürnberg bereits mit „Benvenuto Cellini“ und „Die Zauberflöte“ für Furore sorgte und auch in der Spielzeit 2010/2011 wieder eine äußerst spielfreudige, temporeiche und hintergründig-humorvolle Inszenierung verspricht.
Premiere war am 12.02.2011.
| Genre: | Oper |
| Regie: | Laura Scozzi |
| Musikalische Leitung: | Sebastian Kennerknecht |
| Bühne: | Barbara de Limburg |
| Kostüme: | Jean-Jacques Delmotte |
| Ende nach ca.: | 2 Stunden 40 Minuten |
| Mitwirkende: | Hrachuhí Bassénz (Corinna, römische Improvisationskünstlerin), N.N. (Marquise Melibea, polnische Edelfrau), Leah Gordon (Gräfin von Folleville, junge Witwe), Heidi Elisabeth Meier (Madame Cortese, Besitzerin des Badehotels), Tilman Lichdi/Mark Adler (Chevalier Belfiore, französischer Offizier), Martin Nyvall (Graf von Libensko, russischer General), Kurt Schober (Lord Sidney, englischer Oberst), Daeyoung Kim (Don Profondo, Literat), Vladislav Solodyagin (Baron von Trombonok, deutscher Major), Yong Jae Moon (Don Alvaro, spanischer Grandem Admiral), Nicolai Karnolsky (Don Prudenzio, Arzt), Luzuko Mahlaba (Don Luigino), Isabel Blechschmidt (Delia, griechische Waise), Lussine Levoni (Maddalena, Hausdame), Joanna Limanska-Pajak (Modestina, Zofe), Luzuko Mahlaba (Zefirino, Bote), Rüdiger Krehbiel (Antonio, Haushofmeister), Zauberkünstler Cartini |
[…] Jedoch erfüllt „Die Reise nach Reims“ trotzdem nicht nur die formalen Kriterien einer Huldigungsoper. Vor allem versteckt sie in ihren Arien – die zu den schönsten des Belcanto-Repertoires zählen – und meisterhaft komponierten Ensembleszenen die Utopie einer friedlichen Gesellschaft und gießt die Gefühle ihrer Protagonisten in so vollendete wie unverdorben rein klingende Musik. […] Heidi Elisabeth Meier ist als Madama Cortese zur überarbeiteten und angegrauten Bürochefin mutiert, die ihr Fernweh am Kopiergerät aussingen muss. Ihr feiner biegsamer Sopran klingt auch noch gut, wenn sie die Koloraturen ins Komische dreht und zur finalen Jodler-Arie einen Schuhplattler andeutet. […] Der gut disponierte Chor macht aus Scozzis überreizter EU-Party endgültig ein Sängerfest – und Philipp Pointner hat am Pult der Philharmoniker den spritzig-luftigen Rossini-Sound sowieso wie selbstverständlich im kleinen Finger. […] Thomas Heinold, Nürnberger Zeitung am 14.02.2011
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Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.
Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.