Publikum und Kritik waren verblüfft, als der längst zum Mythos gewordene Verdi im hohen Alter von fast 80 Jahren nochmals mit einem Bühnenwerk an die Öffentlichkeit trat – mit einer »lyrischen Komödie«, einem Genre, das als unvereinbar mit Verdis melancholischem Naturell galt. So wurde die Uraufführung 1893 an der Mailänder Scala mit Spannung erwartet.
Vor internationalem Publikum gestaltete sie sich zu einem glanzvollen Premierenereignis. Wie Otto Nicolais 1849 uraufgeführte Oper »Die lustigen Weiber von Windsor«, beruht auch Verdis »Falstaff« auf Shakespeares gleichnamigem Lustspiel. Doch im Gegensatz zu Nicolai bietet Verdi weit mehr als einen Schwank über fidele Frauen, die den lächerlichen Ritter Falstaff zum Spielball ihrer Launen machen. Ihm gelingt nicht nur die höchst subtile Ausgestaltung mehrdimensionaler Charaktere. Verdi findet in seinem Alterswerk zu einer sich gegenseitig bedingenden wie durchdringenden szenischen, sprachlichen und musikalischen Vielschichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist Falstaff, der seine leeren Taschen durch zwei Liebesabenteuer mit reichen Bürgersfrauen auf zufüllen wünscht. Seine Liebesbriefe setzen ein komödiantisches und turbulentes Verwirrspiel in Gang, in dem eifersüchtige Wut, Paravents, Wäschekörbe, schmatzende Küsse, die Eiche Herne, ein Hirschgeweih, Spott und Revanche sowie falsche und richtige Hochzeiten eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Am Schluss jedoch zieht der heruntergekommene Edelmann mit Überlegenheit selbst das überraschende Fazit: Das durch menschliche Schwächen verwirrte Treiben dieser Welt ist am besten mit gelassener Heiterkeit hinzunehmen – »tutto è burla«: »Alles ist Spaß auf Erden«.
Copyright: Staatstheater Braunschweig
| Genre: | Oper |
| Regie: | Wolfgang Engel |
| Musikalische Leitung: | Alexander Joel |
| Bühne: | Mayke Hegger |
| Kostüme: | Michael Sieberock- Serafimowitsch |
| Chor: | Georg Menskes |
| Lichtgestaltung: | André Fischer |
| Mitwirkende: | Oleg Bryjak (Sir John Falstaff), Malte Roesner; Orhan Yildiz (Ford), Matthias Stier (Fenton), Steffen Doberauer (Dr. Cajus), Kenneth Bannon (Bardolph), Selcuk Hakan Tirasoglu (Pistol), Maria Porubcinova (Mrs. Alice Ford), Ekaterina Kudryavtseva; Simone Lichtenstein (Ännchen; Nannatte), Evelyn Krahe (Mrs. Quickly), Sarah Ferede (Mrs. Meg Page) |
Anfahrt mit der Straßenbahn: Haltestelle Museumstraße mit den Linien 2 und 5. Bus: Haltestelle Staatstheater mit den Linien 411, 413, 416, 418, 422, 436, 443 und 230
Als Vierspartenhaus mit durchschnittlich 30 Premieren in der Spielzeit und einem abwechslungsreichen Konzertprogramm verfügt das Staatstheater Braunschweig dem Großen Haus am Steinweg über zwei weitere Spielstätten: dem Kleinen Haus, das seit 1996 am Magnitorwall situiert ist, und Haus III im Magniviertel, der seit 1984 bestehenden Spielstätte.
Bauzeit: 1856-1861
Architekten: Karl-Heinrich-Wilhelm Wolf und Karl-Friedrich-Heinrich Ahlburg
Umbau: 1902-1904 unter dem Architekten Heinrich Seeling
2. Weltkrieg: Das Große Haus wurde durch einen Bombenangriff am 14./15. Oktober 1944 zu großen Teilen zerstört. Der Wiederaufbau fand zwischen 1945 und 1948 unter dem Architekten Johann Daniel Thulesius statt.
Weitere Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen: 1970-1972, 1982-1983, 1988-1989.
Saal: 896 Sitzplätze, 60 Stehplätze