Wer ist Don Giovanni wirklich? Mozarts Musik stellt den Wüstling, Frauenschänder und Mörder Don Giovanni konsequent in den Mittelpunkt, obwohl sie ihm nicht einmal eine richtige Arie gönnt. Doch erst die Musik ermöglichte das romantische Bild vom ewigen Verführer, der als Libertin aus Amoral nicht gesellschaftsfähig ist und sich doch der ungeteilten Faszination aller anderen erfreut. Mag Casanova redensartlich bis heute überlebt haben, die existenzielle Tragik des nie zufriedenen Frauenverführers spüren wir nur im Mythos Don Giovanni.
Denn die von Da Ponte und Mozart erzählte Geschichte berichtet vor allem seinen Weg in den Untergang, der mit Donna Anna einsetzt, der ersten Frau, bei der Giovanni versagt – was immer auch wirklich in ihrem Schlafzimmer geschehen sein mag. Wie in einem Experiment will die Inszenierung von Johannes Erath die Befreiung der Figur vom Mythos wagen und Giovanni psychologisch ernst nehmen. Das Ergebnis ist zwangsläufig tödlich: Giovanni muss als Mensch sterben, damit alle der hermetischen Geschlossenheit der sich ewig wiederholenden Geschichte endlich entkommen können. Die Mozarts Finale eröffnende Frage bekommt so neuen Sinn als Aufforderung zur Identitätssuche: »Dove è il perfido?« (»Wo ist der Wüstling?«) – Beginn einer nicht nur komischen Oper.
Copyright: Staatstheater Braunschweig
| Genre: | Oper |
| Regie: | Johannes Erath |
| Musikalische Leitung: | Sebastian Beckedorf |
| Bühne: | Stefan Heinrichs |
| Kostüme: | Claudia Jenatsch |
| Dramaturgie: | Daniela Brendel |
| Chor: | Georg Menskes |
| Mitwirkende: | Orhan Yildiz (Don Giovanni), Ekaterina Kudryavtseva (Donna Anna), Matthias Stier (Don Ottavio), Hakan Tirasoglu (Komtur), Julia Rutigliano (Donna Elvira), Dae-Bum Lee; Oledsandr Pushniak (Leporello), Malte Roesner (Masetto), Moran Abouloff (Zerlina) |
Anfahrt mit der Straßenbahn: Haltestelle Museumstraße mit den Linien 2 und 5. Bus: Haltestelle Staatstheater mit den Linien 411, 413, 416, 418, 422, 436, 443 und 230
Als Vierspartenhaus mit durchschnittlich 30 Premieren in der Spielzeit und einem abwechslungsreichen Konzertprogramm verfügt das Staatstheater Braunschweig dem Großen Haus am Steinweg über zwei weitere Spielstätten: dem Kleinen Haus, das seit 1996 am Magnitorwall situiert ist, und Haus III im Magniviertel, der seit 1984 bestehenden Spielstätte.
Bauzeit: 1856-1861
Architekten: Karl-Heinrich-Wilhelm Wolf und Karl-Friedrich-Heinrich Ahlburg
Umbau: 1902-1904 unter dem Architekten Heinrich Seeling
2. Weltkrieg: Das Große Haus wurde durch einen Bombenangriff am 14./15. Oktober 1944 zu großen Teilen zerstört. Der Wiederaufbau fand zwischen 1945 und 1948 unter dem Architekten Johann Daniel Thulesius statt.
Weitere Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen: 1970-1972, 1982-1983, 1988-1989.
Saal: 896 Sitzplätze, 60 Stehplätze