Eröffnungspremiere der Internationalen Maifestspiele 2011
‚Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: Die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta.‘ – So spielerisch leicht kommen die ersten Sätze aus Vladimir Nabokovs ‚Lolita‘ daher, dass man fast vergessen könnte, mit welcher Wucht der 524 Seiten starke Roman die literarische Nachkriegswelt 1955 erschütterte.
Humbert Humberts zwischen Romantik und Perversion changierende Hingabe an die noch mädchenhaft pubertierende Lolita war nichts weniger als ein Skandal, wie es ihn seit ‚Lady Chatterley‘ von D.H. Lawrence und James Joyces ‚Ulysses‘ nicht mehr gegeben hatte. Doch was waren die in jenen Werken geschilderten Wonnen der Liebe gegen jene fetischartige Fixierung auf ein Geschöpf, das noch nicht erwachsen war, von Humbert Humbert aber so dunkel begehrt wurde wie einst die 13-jährige Virginia Clemm von ihrem Vetter Edgar Allen Poe …?
Der russische Komponist Rodion Shchedrin (geb. 1932) hat sich in höchst sensibler Weise Nabokovs ‚Lolita‘ angenommen, nachdem er schon zuvor mehrere andere Klassiker der russischen Literatur in musiktheatralische Schöpfungen verwandelt hatte: z.B. Tolstojs ‚Anna Karenina‘ (1972), ‚Die toten Seelen‘ von Gogol (1976) und Tschechows ‚Die Möwe‘ (1979). Zudem hat Shchedrin die Verwendung moderner Kompositionsverfahren nie als Selbstzweck betrachtet und blieb in seinem ästhetischen Credo ein der musikalischen Intuition vertrauender Komponist, dessen Klangsinnlichkeit – bei aller strukturellen Komplexität – einen unmittelbaren Zugang zu seiner Musik ermöglicht.
Konstanze Lauterbach gehört zu den renommiertesten deutschen Regisseurinnen und arbeitet regelmäßig am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Zuletzt inszenierte sie Massenets ‚Werther‘, Alban Bergs ‚Lulu‘ und im Schauspiel Kleists ‚Michael Kohlhaas‘.
Copyright: Hessisches Staatstheater Wiesbaden
| Genre: | Oper |
| Regie: | Konstanze Lauterbach |
| Musikalische Leitung: | Marc Piollet |
In direkter Nähe befindet sich ein Parkhaus und eine Tiefgarage. Mit dem Bus erreichen Sie das Theater mit den Linien 1 und 8, Haltestelle „Kurhaus/Theater”.
Das Große Haus verfügt über mehrere Rollstuhlplätze im Parkett, einen Aufzug in die Ränge gibt es nicht.
1894 wurde das im neobarocken Stil erbaute Staatstheater Wiesbaden unter Anwesenheit Kaiser Wilhelm II. eröffnet. 1923 zerstörte ein Brand die Kuppel des Bühnenturms, 1942 beschädigte eine Bombe das Theater schwer. In den Jahren 1975-1978 wurde das Haus nach altem Vorbild restauriert, modernisiert und ein Anbau hinzugefügt. Wolfgang Lenz stellte den Zuschauerraum mit seinen Halbplastiken, Stukkaturen und dem prächtigen Deckengemälde originalgetreu wiederher. Heute umfasst das Große Haus 1041 Plätze, die verteilt sind auf die Bereiche Parkett/Orchestersessel sowie drei Ränge. Durch umfangreiche Baumaßnahmen in den letzten Jahren wurde der Zuschauerraum saniert und die Bühnentechnik so modernisiert, daß das Theater nun über hervorragende technische Möglichkeiten verfügt.
Das Hessische Staatstheater Wiesbaden ist ein Fünf Sparten Haus mit etwa 600 Beschäftigten. Mehr als zwanzig Neuinszenierungen in Oper, Schauspiel und Ballett bieten zusammen mit den vielfältigen Aufführungen des Repertoires in jeder Spielzeit ein großes kulturelles Angebot, das sowohl klassische Werke als auch modernes Musiktheater und Stücke der dramatischen Gegenwartsliteratur umfasst.