Wenn der Künstler als vorausschauender Seismologe betrachtet werden kann, der die kommenden Erschütterungen einer Gesellschaft auszudrücken weiß, darf Richard Strauss als Meister dieser Wissenschaft gelten. ‚Salome‘ (1905) wurde zum musiktheatralischen Inbegriff der im Zuge von Freuds Psychoanalyse aufkommenden Sexualisierung, Elektra (1909) entlarvte fünf Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Wiege Europas als ein von Hass- und Rachephantasien entstelltes Tollhaus. So entschieden wie die Stoffwahl war die extreme Tonsprache des Komponisten.
Zwei Jahre später scheint es, als hätte sich Strauss in die Zeitmaschine von H.G. Wells geflüchtet, um dem 20. Jahrhundert glückselig zu entkommen: ‚Zurück zu Mozart!‘ lautet die Parole, zurück ins Wien Maria Theresias, wo Strauss und Hofmannsthal ein klassizistisch-humanistisches Liebes-Lehrstück zelebrieren, dessen Handlung von Hofmannsthal einmal (höchst unvollständig) wie folgt zusammengefasst worden ist: ‚Ein dicker, älterer, anmaßender Freier, vom Vater begünstigt, wird von einem jungen hübschen ausgestochen.‘
Galant verschweigt der Dichter, dass der junge hübsche Octavian vor der erfolgreichen Brautwerbung um Sophie von Faninal noch die Liebesschule der erfahrenen Marschallin zu absolvieren hat. Und deren vom Rausch und Fluch des Altersunterschieds dominierte Liaison erweist sich als das bittersüße Herzstück dieser Komödie.
‚Die Zeit, die ist ein sonderbar’ Ding‘, räsonniert die Marschallin lebensklug – und zeigt sich am Ende damit einverstanden, dass ihr jugendlicher Liebhaber nur eine befristete Leihgabe Amors gewesen ist.
Copyright: Hessisches Staatstheater Wiesbaden
| Genre: | Oper |
| Regie: | Renate Ackermann |
| Bühne: | Marcel Keller |
| Kostüme: | Michael Sieberock-Serafimowitsch |
Hier hat bei der Neu-Inszenierung in der Wiesbadener Oper Renate Ackermann für Klarheit gesorgt, indem sie das Interieur der drei Akte in eine Art Beziehungs-Terrarium verlegt: die kapriziöse Gartenlandschaft eines Heckenlabyrinths, das sich je nach sozialem Milieu in wechselnden Konstellationen und Formatierungen präsentiert (Bühne: Marcel Keller). Die Akteure sind einerseits noch rokokohaft verpuppt, aber andererseits schon durch die Metamorphose der Moderne gegangen.
Frankfurter Rundschau, 21.03.2011
Die Premiere von Richard Strauss´ Oper ‚Der Rosenkavalier‘ bekam am Samstag im Wiesbadener Staatstheater stürmischen Jubelbeifall. Zu Recht: Selten wurde eine so stimmige, gleichermaßen lyrische und tiefsinnige, dabei humorvolle und bei aller Deftigkeit nie platte Sicht in den vergangenen Jahren auf eine Bühne gebracht. (…) Das liegt in erster Linie an einer Spitzenbesetzung, einer feinfühligen Regisseurin mit Sinn für Figuren, Text und Musik und dem gelungenen Bühnenbild samt Lichtregie, in dem sich Poesie und der Lauf der Zeit im Jahreszeiten-Zauber spiegeln. Die Musik kam artikuliert in allen Straussschen Facetten aus dem Orchestergraben, niemals illustrierend, sondern eng am inneren Geschehen – das vervollständigte ein überaus beglückendes Erlebnis.
Gießener Allgemeine, 21.03.2011
| So | 05.02.12 | 18:00 | Buchungs-Anfrage |
| Sa | 11.02.12 | 18:00 | Buchungs-Anfrage |
| Sa | 03.03.12 | 18:00 | Buchungs-Anfrage |
| So | 18.03.12 | 18:00 | Buchungs-Anfrage |
In direkter Nähe befindet sich ein Parkhaus und eine Tiefgarage. Mit dem Bus erreichen Sie das Theater mit den Linien 1 und 8, Haltestelle „Kurhaus/Theater”.
Das Große Haus verfügt über mehrere Rollstuhlplätze im Parkett, einen Aufzug in die Ränge gibt es nicht.
1894 wurde das im neobarocken Stil erbaute Staatstheater Wiesbaden unter Anwesenheit Kaiser Wilhelm II. eröffnet. 1923 zerstörte ein Brand die Kuppel des Bühnenturms, 1942 beschädigte eine Bombe das Theater schwer. In den Jahren 1975-1978 wurde das Haus nach altem Vorbild restauriert, modernisiert und ein Anbau hinzugefügt. Wolfgang Lenz stellte den Zuschauerraum mit seinen Halbplastiken, Stukkaturen und dem prächtigen Deckengemälde originalgetreu wiederher. Heute umfasst das Große Haus 1041 Plätze, die verteilt sind auf die Bereiche Parkett/Orchestersessel sowie drei Ränge. Durch umfangreiche Baumaßnahmen in den letzten Jahren wurde der Zuschauerraum saniert und die Bühnentechnik so modernisiert, daß das Theater nun über hervorragende technische Möglichkeiten verfügt.
Das Hessische Staatstheater Wiesbaden ist ein Fünf Sparten Haus mit etwa 600 Beschäftigten. Mehr als zwanzig Neuinszenierungen in Oper, Schauspiel und Ballett bieten zusammen mit den vielfältigen Aufführungen des Repertoires in jeder Spielzeit ein großes kulturelles Angebot, das sowohl klassische Werke als auch modernes Musiktheater und Stücke der dramatischen Gegenwartsliteratur umfasst.