Für Generationen von Kindern war und ist Humperdincks »Hänsel und Gretel« das erste, unvergessliche Opernerlebnis. Die Geschichte der beiden Besenbinderkinder, die – von der Mutter aus dem Haus gejagt – angstvoll durch den Wald irren, bis sie zu einem verlockenden Hexenhaus kommen, um dort erst recht in Gefahr zu geraten, hat die Schwester des Komponisten, Adelheid Wette, frei nach Grimms Märchen in Verse gebracht. Humperdinck, als Komponist stilistisch Wagner nahestehend, erfand für die Märchenbilder berückende Musik vom »Abendsegen« über Sandmännchens und Taumännchens Gesang bis hin zur furchteinflößenden Hexe, die Kinder wie Erwachsene seit ihrer Entstehung in ihren Bann zieht.
Ursprünglich sollte es nur eine Haustheateraufführung werden. Doch was 1890 mit einigen Kinderlied-Versen Adelheid Wettes, von Humperdinck vertont, begonnen hatte, nahm im Verlauf der Arbeit immer mehr die Züge einer großen, vollgültigen Oper an. Als das Stück fertig gestellt war, erwarben die Opernhäuser in München und Karlsruhe schnell die Aufführungsrechte. Die Uraufführung fand jedoch schließlich 1893 in Weimar unter der musikalischen Leitung von keinem Geringeren als Richard Strauss statt. Die Lübecker Neuinszenierung basiert auf historischen Bühnenbildvorlagen aus der Entstehungszeit der Oper, die der Bühnenbildner Thomas Döll in Theaterarchiven ausfindig und für die heutige Bühne umsetzbar gemacht hat, und entführt in eine längst vergangene, doch heute noch reizvolle Theaterwelt.
Copyright: Theater Lübeck
| Genre: | Oper |
| Regie: | Herbert Adler |
| Musikalische Leitung: | Philippe Bach |
| Bühne: | Thomas Döll |
| Ende nach ca.: | 2:05 h |
„Ein wunderbarer Wald, eine ärmliche Hütte, ein überaus appetitliches Knusperhäuschen, dazu Darsteller, die wirklich aussehen wie arme Schlucker oder böse Hexen: Lübecks ›Hänsel und Gretel‹ ist eine traditionelle Inszenierung im besten Sinne. Diese Inszenierung, die sich vom Bühnenbild her an der Uraufführung von 1893 orientiert, ist aber auch zielgruppengerecht. Sie ist ausgerichtet auf Kinder, die im Theater das Staunen lernen können, und auf Erwachsene, die sich die Fähigkeit zum Staunen erhalten haben.
[…] Illusionstheater in einer traumhaften Szenerie, in der Herbert Adler sein Personal sicher und seriös führt, bis hin zum sehr gut singenden und spielenden Kinderchor Vocalino des Theaters und der Musik und Kunstschule. Ein Fest für die Augen ist diese Inszenierung in jedem Fall. Aber auch musikalisch bietet diese Produktion einiges. Eine veritable Wagner-Besetzung steht auf der Bühne: Antonio Yang, der gefeierte Alberich aus dem ›Ring‹, gibt den Vater von Hänsel und Gretel, Veronika Waldner – Wotans kiebige Gemahlin Fricka – die Mutter der armen Kinder. Andrea Stadel mit ihrer glockenreinen Stimme und ihrer Beweglichkeit ist eine herausragend gute Gretel, Wioletta Hebrowska steht ihr als Hänsel in nichts nach. Ein liebenswertes Paar, stimmlich stets auf der Höhe und darstellerisch höchst präsent. Patrick Busert gab die böse Hexe sehr überzeugend.«
(Lübecker Nachrichten)