Mit Siegfrieds Tod begann Wagners Interesse für den Nibelungenstoff, mit Siegfrieds Tod und dem Ende der Götterwelt schließt die Tetralogie, die ihren Schöpfer 28 Jahre lang von den ersten Vorstudien bis zur ersten Gesamtaufführung 1876 in Bayreuth beschäftigte. Als Wagner am 8. Oktober 1848 die Reinschrift einer Vorstudie zum Libretto »Siegfrieds Tod« abschloss, mochte er kaum ahnen, welche Dimensionen seine Arbeit in den kommenden Jahrzehnten annehmen würde. Erst nach und nach wurde er sich der Notwendigkeit bewusst, die Vorgeschichte zu Siegfrieds Tod nicht nur in Erzählungen in die Handlung einfließen zu lassen, sondern im Detail auch darzustellen. So verfasste Wagner statt eines einzigen Librettos deren vier, die er dann gemäß der Handlungschronologie vertonte.
Etliche Figuren der »Götterdämmerung«, wie Wagner den als »Siegfrieds Tod« begonnenen Teil schließlich nannte, sind lange schon eingeführt: Die Rheintöchter wünschen seit dem Vorabend »Das Rheingold« den von Alberich verfluchten Ring als Teil ihres alten Schatzes zurück, um allem Übel ein Ende zu setzen. Alberich führt – wenn auch gegenüber dem »Rheingold« und »Siegfried« stark geschwächt – seine Machtmission fort. Brünnhilde ist seit »Die Walküre« und »Siegfried« untrennbar an Siegfried gebunden; um Siegfried selbst kreist die Geschichte seit dem nach ihm benannten »Zweiten Tag« des Bühnenfestspiels.
Neu im Geschehen hingegen ist die Sippe der Gibichungen, deren Zusammentreffen mit Siegfried nun dessen Ende mit sich bringt: Der Gibichungenfürst Gunther, seine Schwester Gutrune und der Halbbruder der beiden, Alberichs Sohn Hagen, residieren am Rhein. Hagen plant, seine Halbgeschwister mit Siegfried und Brünnhilde zu verheiraten, um in den Besitz des Ringes zu gelangen, den Siegfried seiner Braut Brünnhilde als Treuepfand überlassen hat, als er aus ihrem gemeinsamen Liebesnest zu neuen Taten in die Welt zog. Mit Hilfe eines Vergessenstranks löscht Hagen Siegfrieds Erinnerung aus und initiiert eine Verbindung zwischen ihm und Gutrune. Für Gunther macht sich Siegfried auf den Weg, Brünnhilde zu erobern, die seine plötzliche Treulosigkeit nicht fassen kann und schließlich zusammen mit Hagen und Gunther seinen Tod plant. Das Ende der Götter ist nicht mehr weit.
Die »Götterdämmerung« ist der schwärzeste und zugleich beziehungsreichste der vier Abende. Musikalisch schließt er an die im »Siegfried« bereits erreichte Dichte im Motivischen und in Instrumentationsfragen an.
Copyright: Theater Lübeck
| Genre: | Oper |
| Regie: | Anthony Pilavachi |
| Musikalische Leitung: | Roman Brogli-Sacher |
| Bühne: | Momme Röhrbein |
| Kostüme: | Angelika Rieck |