Tradition wird hoch gehalten in der kleinen jüdischen Gemeinde Anatevka, einem Schtetl in Osteuropa, wo Milchhändler Tevje mit seiner Familie in bescheidenen Verhältnissen lebt. Verständlich also, dass er, ganz traditionell, die Heiratsvermittlerin Jente nach geeigneten Ehemännern für seine Töchter Ausschau halten lässt. Doch Tevje hat die Rechnung ohne den Eigensinn seiner Kinder gemacht, die entschlossen sind, ihre Wahl selbst zu treffen. Am Horizont ziehen derweil schwarze Wolken auf: Immer deutlicher werfen Pogrome und die vorrevolutionären Wirren im zaristischen Russland ihren Schatten auf Anatevka, und letztendlich steht die ganze Dorfgemeinschaft vor der Vertreibung – es bleibt nur die Hoffnung auf einen Neuanfang in einer neuen Heimat, irgendwo.
Dass »Die Geschichten von Tevje, dem Milchhändler« des jüdischen Schriftstellers Scholem Alejchem ausgerechnet als Musical die Bühne erobern würden, hätte kaum jemand ahnen können. Doch seit 1964 ist das melancholische Stück »Anatevka« ungebrochen reizvoll, dessen Originaltitel »Fiddler on the Roof« auf Marc Chagalls poetisches Motiv des Geigers verweist, der auf Hausdächern stehend und somit immer am Abgrund sein Lied spielt. Umrahmt von Klezmerinspirierten Melodien, entspinnt sich die Handlung mit ihrer Gleichzeitigkeit von Tragik und Komik, Resignation und Optimismus um Tevje als zentrale Figur – heiter und verbittert, weichherzig und starrköpfig. Seine ebenso frommen wie frechen Zwiegespräche mit Gott, darunter das berühmte Lied »Wenn ich einmal reich wär«, gehören zu den Höhepunkten des berührenden Musicals.
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| Genre: | Musical |
| Regie: | Jürgen Pöckel |
| Musikalische Leitung: | Ludwig Pflanz |