Der Besucherring

Die tote Stadt

Oper in drei Bildern von Erich Wolfgang Korngold

Norbert Schmittberg (Paul). Copyright Jörg Landsberg
Norbert Schmittberg (Paul). Copyright Jörg Landsberg

Erich Wolfgang Korngold war ein gefeiertes Wunderkind: Mit neun Jahren begann er sein Kompositionsstudium. Mit Dreizehn machte er mit seinem ersten Bühnenwerk an der Wiener Staatsoper Furore. Und als 23-Jähriger hatte er seinen frühen Welterfolg mit „Die tote Stadt“, deren Uraufführung 1920 gleichzeitig in Hamburg und Köln stattfand. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung musste er 1938 in die USA emigrieren, wo er sich bereits als Filmkomponist erfolgreich etabliert und 1936 in Hollywood seinen ersten Oscar erhalten hatte.

In der Handlung der Oper vermischen sich äußere Geschehnisse und innere Visionen mit beklemmender Dynamik und Intensität: Für Paul, der um seine Frau Marie trauert, ist die Erinnerung an sie mit der „toten Stadt“ Brügge zu einem Gleichnis zusammengeflossen. Zu ihrem Andenken hat er in seinem Haus ein eigenes Zimmer eingerichtet – die „Kirche des Gewesenen“. Als er die lebensfrohe Tänzerin Marietta kennen lernt, die seiner Frau zum Verwechseln ähnlich ist, verliebt er sich in sie, sieht aber nur die Person Maries in ihr. Geplagt von Schuldgefühlen, verstrickt er sich zunehmend in Wahnvorstellungen. Bilder der äußeren Handlung und Traumerlebnisse gehen ein verwirrendes Spiel zeitlich-räumlicher Verschachtelung und Überlagerung der Handlungsebenen ein, bis Paul auf schockierende Weise klar wird, dass er die Vergangenheit endgültig hinter sich lassen muss.

Überlagerungen zeichnen auch die Musik: Die durchkomponierte Großform ist durchsetzt mit impressionistischen Klangfarben und Momenten expressiver musikalischer Dramatik bis an die Grenze zur Atonalität. Korngolds brillante Orchesterfarben verraten zudem eine Beeinflussung durch Richard Strauss, während ausladende Gesangspassagen eher vom Bekenntnis zur italienischen Tradition, insbesondere Giacomo Puccini, zeugen.

Premiere war am 30. Mai 2009.

Genre: Oper
Regie:Gabriele Rech
Musikalische Leitung:Philipp Pointner
Bühne:Stefanie Pasterkamp
Kostüme:Gabriele Heimann
Ende nach ca.:2:45 Stunden
Mitwirkende:Norbert Schmittberg (Paul), Mardi Byers (Marietta, Tänzerin), Mardi Byers (Die Erscheinung Mariens, Pauls verstorbener Gattin), Jochen Kupfer (Frank, Pauls Freund), Teresa Erbe (Brigitta, bei Paul), Leah Gordon (Juliette, Tänzerin), Sybille Witkowski (Lucienne, Tänzerin), Kalle Kanttila (Victorin, der Regisseur), Jochen Kupfer (Fritz, der Pierrot), Richard Kindley (Graf Albert)

Kritik:

„Rauschhaft ist vor allem die Musik, die der 22-jährige Erich Wolfgang Korngold aus allem kompilierte, was kurz nach dem Ersten Weltkrieg für Moderne und Qualität stand. Man hört der üppigen, nicht eben sängerfreundlichen Orchestration an, dass sie an Strauss und Puccini geschult ist; Wagnersche Leitmotivik paart sich mit italienischer Vokalmanier, die an der ein oder anderen Stelle auch ins Operettenhafte kippt. Kein Zweifel: Ein großer Wurf mit einer ungeheuren Sogwirkung, die von den Nürnberger Philharmonikern nach ungemein knapper Probenzeit mehr als achtungsgebietend entfaltet wird.” Jens Voskamp, Nürnberger Nachrichten am 02.06.2009

Lesen Sie hier die vollständige Besprechung in den Nürnberger Nachrichten.

„Das Publikum zeigte sich durchweg begeistert und belohnte alle Mitwirkenden mit viel Applaus. In der noch kurzen Nürnberger Intendanz von Peter Theiler ist „Die tote Stadt” die bislang überzeugendste Opernproduktion.” Thomas Heinold, Nürnberger Zeitung am 02.06.2009

Lesen Sie hier die vollständige Besprechung in der Nürnberger Zeitung.

Termine und Tickets

Aufführungsort

Opernhaus Nürnberg
Richard-Wagner-Platz 2-10
90443 Nürnberg

Interaktive Karte

Das Opernhaus ist mit dem öffentlichen Nahverkehr gut erreichbar. Steigen Sie an der Haltestelle „Opernhaus” (U-Bahn Linie 2 und 3) aus. Vom Hauptbahnhof laufen Sie in fünf Minuten zur Oper. Der Busparkplatz befindet sich direkt hinter der Oper am Karl-Pschigode-Platz.

Das Opernhaus Nürnberg wurde 1903 bis 1905 im Jugendstil vom deutschen Theaterarchitekten Heinrich Seeling erbaut und ist in der Stadtsilhouette weithin erkennbar. Eine neue Innendekoration erhielt das Opernhaus 1935 durch Paul Schultze-Naumburg. 1945 wurde das Haus von Bomben getroffen. Nach dem Wiederaufbau richtete die U.S. Armee hier ein Kino und Theater ein. Seit 1956 dient es wieder als Opernhaus. Hier gelangen Oper, Operette, Klassisches Musical, Kinderkonzerte, Kammerkonzerte (im Jugendstilfoyer) sowie Liederabende zur Aufführung.

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