Mit »Rheingold«, dem vergleichsweise heiteren »Vorabend« des »Ring des Nibelungen«, beginnt das Theater Lübeck zum Saisonauftakt seine auf vier Jahre hin angelegte Neuinszenierung des gigantischen Musiktheaterwerkes von Richard Wagner, das seinen Autor über 28 Jahre, von ersten Überlegungen zum Stoff 1848 bis zur ersten Gesamtaufführung in Bayreuth 1876, beschäftigte.
Am Anfang der mehrteiligen Verhängnisgeschichte, die Götter und Menschen über mehrere Generationen in den Untergang führt, steht ein misslungener Flirtversuch: Der hässliche Nibelunge Alberich macht sich an die jungen Rheintöchter heran und wird von ihnen grausam verspottet. Immerhin erhält er eine vielversprechende Information: Wer bereit ist, für immer auf die Liebe zu verzichten, kann mit einem aus dem Rheingold geschmiedeten Ring die Weltherrschaft erlangen. Machthungrig raubt Alberich das Rheingold. Derweil steckt Wotan, der Göttervater, in einem Dilemma: Er hat für sich und seine Frau Fricka die Götterburg Walhall bauen lassen, ist aber nicht bereit, wie verabredet dafür die Göttin Freia zu opfern. Da kommt Loges Erzählung von der Rheingoldgeschichte gerade recht: Fafner und Fasolt, die die Burg gebaut haben, erhalten Alberichs Rheingold und den inzwischen geschmiedeten Ring. Alberich jedoch, dem man seine Beute nur gewaltsam entreißen kann, belegt den Ring mit einem Fluch, so dass fortan ein Unheil auf das andere folgt.
Der Nibelungenstoff mit der Siegfried-Sage im Zentrum interessierte etliche Dichter und Komponisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allem im Zusammenhang mit der deutschen Einigungsbestrebung im Zuge des Vormärz. Keiner jedoch verfolgte so konsequent die Entwicklung der Geschichte bis auf ihre ersten Wurzeln zurück wie Wagner. Inspiriert von den großen Texten der Theatergeschichte von der Antike über Shakespeare bis zu Goethe hat Wagner mit seinem »Ring« eine mythische Weltbeschreibung geschaffen, die seit der Uraufführung von »Das Rheingold« 1869 bis heute fasziniert und polarisiert und in Musik und Literatur, so z. B. im Schaffen Thomas Manns, tief nachgewirkt hat.
Copyright: Theater Lübeck
| Genre: | Oper |
| Regie: | Anthony Pilavachi |
| Musikalische Leitung: | Roman Brogli-Sacher |
| Bühne: | Momme Röhrbein |
| Kostüme: | Angelika Rieck |
| Ende nach ca.: | 2:30 h, ohne Pause |
| Mitwirkende: | Wotan: Stefan Heidemann/ Jürgen Linn, Donner: Gerard Quinn, Froh: Kyung-Jin Jang, Loge: John Pickering/ N.N., Alberich: Antonio Yang, Mime: Patrick Busert, Fasolt: Andreas Haller, Fafner: Gary Jankowski, Fricka: Veronika Waldner, Freia: Anna Baxter/ N.N., Erda: Ulrike Schneider/ N.N., Woglinde: Sonja Freitag, Wellgunde: Roswitha C. Müller, Floßhilde: Sandra Maxheimer, kleine Brünnhilde: Louise Hegge / Rebecca Quinn |