Endlich ist er da, der Held, um dessen Tod darzustellen Richard Wagner das große Wagnis seines vierteiligen Bühnenfestspiels »Der Ring des Nibelungen« überhaupt unternahm: Siegfried, der verwaiste Sohn des Geschwisterpaares Siegmund und Sieglinde – derjenige, der das Fürchten nicht kennt. Sehen wir in ihm endlich den freien Helden, dem Göttervater Wotan allein noch zutraute, das verlorene Rheingold und insbesondere den verhängnisvollen Ring zurückzugewinnen und die Welt vom Ringfluch zu erlösen? Siegfried wächst auf beim Nibelungen Mime, der hofft, mit seiner Hilfe selbst den Schatz zu ergattern, den inzwischen der zum Drachen gewordene Riese Fafner hütet. Als der Junge jedoch heranreift und sich über seine Identität klar wird, beginnt er seinen eigenen Weg. Wotan, zum rastlosen Wanderer geworden, schreitet ihm unerkannt voran. Ganz auf sich gestellt, schmiedet Siegfried nicht nur aus den Teilen des väterlichen Schwertes eine neue Waffe, er besiegt auch den Drachen, tötet seinen Ziehvater und durchschreitet den Feuerreifen, der Brünnhilde vor unwürdigen Bewerbern schützen soll, während sie ihre Strafe für ihren Verrat an ihrem Vater Wotan abbüßt. Ein neues Paar scheint hoffnungsvoll einer besseren Zukunft entgegenzugehen? Kein anderer Teil der Tetralogie beschäftigte Wagner so lange wie »Siegfried«. Noch unter dem Titel »Der junge Siegfried« begann er die Komposition im Jahr 1856. Vierzehn Jahre später erklärte er die Partiturreinschrift des zweiten Aktes für vollendet, und nicht früher als 1876 war »Siegfried« im Rahmen der ersten Ring-Gesamtaufführung erstmals auf der Bühne zu sehen. Dazwischen zogen die Kompositionen von »Tristan und Isolde« und »Die Meistersinger von Nürnberg« Wagners Aufmerksamkeit über Jahre auf sich. Zudem ist die Entstehungszeit des »Siegfried« geprägt von den großen Wandlungen in Wagners Leben, die der mühsame Weg vom geduldeten, finanziell ewig klammen Künstler im Schweizer Exil zum Protegé des Bayerischen Königs Ludwig II. mit sich brachte. Entsprechend stark macht sich innerhalb des »Siegfried« auch die musikalische Entwicklung bemerkbar, die Wagners gesamtem »Ring des Nibelungen« mit seiner Entstehungszeit von gut einem Vierteljahrhundert eigen ist: Unmittelbare musikalische Dramatik wandelt sich in immer größere motivische Dichte, die die Behandlung der Instrumente ebenso wie die der Singstimmen betrifft.
Copyright: Theater Lübeck
| Genre: | Oper |
| Regie: | Anthony Pilavachi |
| Musikalische Leitung: | Roman Brogli-Sacher |
| Bühne: | Momme Röhrbein |
| Kostüme: | Angelika Rieck |
| Mitwirkende: | Siegfried: Jürgen Müller (6.9., 20.9., 3.10., 15.11., 6.12., 26.12., 7.2.), Gunnar Gudbjörnsson (25.10.),Alfons Eberz (17.1.), Mime: Arnold Bezuyen (6.9., 20.9., 25.10., 26.12., 17.1., 7.2.), Stuart Patterson (3.10., 15.11., 6.12.), Der Wanderer: Stefan Heidemann, Alberich: Antonio Yang, Fafner: Andreas Haller (20.9., 25.10., 6.12., 17.1.), Daniel Lewis Williams (6.9., 3.10., 15.11., 26.12., 7.2.), Erda: Ulrike Schneider, Brünnhilde: Rebecca Teem, Stimme des Waldvogels: Andrea Stadel |